Trauma-Therapie-Netzwerk

 

Paneldiskussion, 3.9.2011, 15.00-17.00
Hauptgebäude Ludwigstr. 23, 35390 Gießen

Extrem traumatisierte Menschen (durch Missbrauch, Vergewaltigung, Folter u. a.) werden meist nicht nur von ÄrztInnen und TherapeutInnen in der Klinik betreut. Vielmehr entsteht um die Betroffenen ein Versorgungsnetz (Rechtsbeistand, Sozialarbeit u. a.), das zur Stabilisie-rung des äußeren Umfelds beiträgt und so Voraussetzungen für eine erfolgreiche Therapie schafft. Hilfe wird den Betroffenen auf diese Weise zuteil, doch häufig entstehen auch Situationen, die für PatientInnen und HelferInnen zusätzliche und teilweise überflüssige Stressfak-toren oder möglicherweise sogar eine Re-traumatisierung bedeuten. Hilfen müssen koordiniert werden, einzelne Anlaufstellen gut informiert sein. Gute Koordination der Hilfen kann auch HelferInnen vor Überlastung und sekundärer Traumatisierung schützen.
Wir wollen auf dem Panel VertreterInnen aus verschiedenen Organisationen zusammenbringen, die sich mit der Versorgung und Therapie traumatisierter Menschen befassen. Anhand einer spezifischen Fallvignette sollen sowohl Probleme und Schwierig-keiten innerhalb der Versorgung insbesondere von Flüchtlingen in Gießen und Umgebung aufgegriffen werden, als auch die Möglichkeit einer Verbesserung in der Versorgung und Vernetzung diskutiert werden.

Fallvignette: Frau A. ist 30 Jahre alt und stammt aus Marokko. 2009 wurde sie mit einem Arbeitsangebot nach Deutschland gelockt. Bei Ankunft nahmen ihr die Schlepper ihre Papiere weg und sie wurde zur Prostitution gezwungen. Im Rahmen einer Polizeiaktion konnte sie befreit werden und wurde nach einer ersten Zeit in Untersuchungshaft ins Frauenhaus an einen sicheren Ort gebracht. Sie hat nun als Zeugin eine befristete Aufenthaltsgenehmigung und hat begonnen, deutsch zu lernen. Neben der traumatisch erlebten Zeit als Prostituierte hat sie auch im Heimatland traumatische Erfahrungen machen müssen. Diagnostisch liegt eine Posttraumatische Be-lastungsstörung mit Indikation zur psychotherapeutischen Behandlung vor.

Gäste auf dem Podium sind:

  • Maria Bethke (Asylverfahrensberaterin in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, Gießen)
  • Dr. med. Bernd Hanewald (Oberarzt, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie im Zentrum für Psychiatrie an der Justus-Liebig-Universität Gießen/ UKGM Standort Gießen)
  • Siegward Roth (Jugendkoordinator Prävention des Polizeipräsidiums Mittelhessen – Netzwerk gegen Gewalt der Hessischen Landesregierung)
  • Claus Schäfer (Integrationsbeauftragter der Stadt Marburg-Biedenkopf) und/oder Monika Schaal (Koordinatorin des Dolmetscherservice für das Gesundheitswesen im Landkreis Marburg-Biedenkopf)
  • Dr. Markus Stingl (Leiter Trauma-Ambulanz Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie UKGM Gießen)
JLU Gießen

In Kooperation mit

  • DGPM
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  • VW Stiftung
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  • DeGPT
  • DeGPT
  • UKGM