ReferentInnen

 

Ursula Gast – “Diagnostik Dissoziativer Störungen – Klinische Anzeichen – subjektives Erleben –therapeutisches Vorgehen”

Ursula Gast Abstract: Dissoziative Störungen sind mit ca. 5% Prävalenz in der Bevölkerung relativ häufig. Sie werden leicht übersehen, da sie sich durch ein diskretes Symptomspektrum auszeichnen, dass in der Regel von den Betroffenen nicht spontan berichtet wird. Eine frühzeitige Diagnostik ist jedoch wichtig, um störungsspezifische Psychotherapie anzubieten. Im Vortrag wird das Spektrum Dissoziativer Störungen in der ICD 10 und im DSM IV und DSM-V-Vorschlag dargestellt. Zudem wird eine Neukonzeptualisierung der Störung (von P. Dell 2010) erörtert, die neben klinischen Anzeichen vor allem auch die subjektive Phänomenologie umfassend berücksichtigt. Als zentrales Erleben werden hierbei wiederkehrende, störende und unwillkürliche Intrusionen identifiziert. Es werden dann die therapeutischen und klinischen Herangehensweisen zur Diagnosestellung dargelegt, ebenso differentialdiagnostische Überlegungen zur Psychose, zu Borderline-Persönlichkeitsstörung sowie zur vorgetäuschten Dissoziativen Störungen. Anhand von Beispielfragen werden die verschiedenen Ausprägungsformen von Dissoziation einschließlich des dissoziierten Selbsterlebens vorgestellt und anhand von Videoclips mit Patienteninterviews veranschaulicht.

Literatur: Dell PF& O’Neil JA (Eds.) Dissociation and the dissociative disorders: DSM-V and beyond New York: Routledge
Reddemann L, Hofmann A, Gast U (Hg.) Psychotherapie der Dissoziativen Störungen. Reihe Lindauer Psychotherapie-Module. Stuttgart: Thieme (Neuauflage in Druck)

Biografie: Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie –Psychoanalytikerin
Ehemalige Chefärztin der Klinik für psychotherapeutische und psychosomatische Medizin des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld, jetzt in eigener Praxis im Kreis Schleswig/Flensburg tätig
Gründungs- und ehemaliges Vorstands- Mitglied der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT). Mitglied der Expertengruppe zur Erarbeitung von wissenschaftlich begründeten Leitlinien zur Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen.
Publikationen, Fortbildungs- und Lehrtätigkeit zum Thema Posttraumatische und Dissoziative Störungen.

 

 

 

 


 

Elke Gizewski – “Möglichkeiten und Grenzen der Bildgebung in der Traumaforschung”

Elke Gizewski Abstract: Dieser Vortrag möchte die aktuelle Diskussion zu den kontroversen Fragen in Bezug auf die neurowissenschaftliche Bildgebung in der Psychosomatik und Psychotherapie darstellen. Neben den Wünschen und Erwartungen an die Forschungsmethodik werden aus Sicht der Neuroradiologie einige technische Voraussetzungen und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Methode sowie die Interpretation von Ergebnissen dargestellt. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Traumaforschung und exemplarischen Befunden der MRT-Bildgebung.

Biografie: Nach dem Studium der Humanmedizin in Essen mit Aufenthalten u.a. in Edinburgh sowie der Promotion am Institut für Physiologische Chemie der Universität Essen erfolgte die Ausbildung zur Fachärztin für Radiologie sowie die Weiterbildung zur Neuroradiologin am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie (Universitätsklinikum Essen). Die Habilitation erfolgte 2006 in einem der wissenschaftlichen Schwerpunkte, dem fMRT bei menschlicher Sinnesverarbeitung und Emotionen, wobei die Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“ hier zu einer deutlichen Gewichtung der Forschungsinteressen führt. Zudem ist die strukturelle MRT Bildgebung insbesondere in der Ultrahochfeld-MR-Technik ein Forschungsschwerpunkt. Klinisch ist neben der Schnittbildgebung die interventionelle Neuroradiologie ein wichtiger Fokus. Frau Prof. Dr. Elke Gizewski nahm 2010 den Ruf auf die W3 Professur für Neuroradiologie an der Justus-Liebig Universität Gießen an und damit verbunden die Direktion der Abteilung Neuroradiologie an diesem Standort des UKGM.

 


 

Wilhelm Heitmeyer – ”Was begünstigt Gewalt? Zur empirischen Analyse gesellschaftlicher Ursachen.”

Wilhelm Heitmeyer Abstract: Der Vortrag geht von Gewalt als einem komplexen Konstrukt aus, das nicht allein auf die Tat zu reduzieren ist. Deshalb wird von der These ausgegangen, dass soziale Desintegration ein wichtiger Indikator für Gewalt und ihre Entwicklungen darstellt. Anhand von zwei sozialwissenschaftlichen Theorien, der Theorie Sozialer Desintegration und anhand der Institutional Anomy Theory sollen dann empirische Ergebnisse erklärt werden.

Biografie: Wilhelm Heitmeyer ist Professor für Sozialisation und Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit sozialer Desintegration, Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, ethnisch-kulturellen Konflikten, Rechtsextremismus und Gewalt.

 

 

 

 


 

Hans Holderegger - ”Trauma und Übertragung”

Hans Holderegger Abstract: Traumatisierungen im Kindesalter prägen die Beziehungsgestaltung des Erwachsenen, ohne dass in der Regel ein Bewusstsein davon vorhanden ist, wie gross ihr Einfluss und wie weitreichend ihre Wirkungen sind. Sie finden ihre Darstellung in verschiedenen Übertragungsformen, u. a. in der Inszenierung der „traumatisierenden“ Übertragung, einer Beziehungsdynamik, die sich im privaten und öffentlichen Alltag oft destruktiv auswirkt, im therapeutischen Rahmen aber auch die Möglichkeit einer besseren Verarbeitung der traumatischen Erfahrung eröffnet.

Biografie: Hans Holderegger, Dr. phil., arbeitet als Psychoanalytiker in freier Praxis. Er ist Dozent am Freud-Institut Zürich sowie am Schweizer Institut für Psychotraumatologie. In Aufsätzen und seinen beiden Büchern „Der Umgang mit dem Trauma“ und „Das Glück des verlorenen Kindes“ beschäftigt er sich vor allem mit den langfristigen Folgen des Traumas, dessen Behandlung und Bedeutung in der Kunst. Er plädiert für eine interdisziplinäre Untersuchung des Seelenlebens und entwirft mit Hilfe von Psychoanalyse, Hirnforschung, Literatur- und Kunstinterpretation ein Konzept von der menschlichen Psyche, die auf einer primären, affektgesteuerten Lebensorganisation aufgebaut ist.

 

 

 


 

Suzanne Kaplan – ”Trauma und Affektregulation”

Suzanne KaplanAbstract: Videotaped in-depth interviews with Holocaust child survivors and subsequent interviews with child survivors from the Rwanda genocide 1994 have created the base for an extensive research project on extreme traumatization. The psychological phenomena identified in the interviews concern memory images and affects – what and how the interviewees present their life stories.  A conceptual model about trauma- and generational-linking processes—the ‘affect propeller’ will be presented. This model may be seen with the different expressions of affect regulation as an illustration of how complex the psychological processes are for every survivor of extreme trauma. The model may also be used as an analytic tool for the temporary present focus of the affect regulation of an individual as part of the trauma process.

Biografie: Suzanne Kaplan, PhD, psychologist, psychoanalyst and associate professor at The Hugo Valentin Centre / Holocaust and Genocide Studies, Uppsala University, Sweden. She was the co ordinator in Sweden for USC Shoah Foundation Institute for Visual History and Education. She has done extensive research on psychological aspects of child survivors of genocide and has recieved international acknowledgement through the ’Hayman Prize for published work pertaining to traumatized children and adults’ (2001 and 2007). She is the author of the book: Kaplan, S. (2010) Wenn Kinder Völkermord überleben – Über extreme Traumatisierung und Affektregulierung Psychosozial Verlag, and co-author of the book Rache – Zur Psychodynamik einer unheimlichen Lust und ihrer Zähmung (2009) Psychosozial Verlag Giessen

 

 

 

 


 

Marianne Kastrup – ”Diagnostic Issues for Traumatized Refugees: International updates”

Marianne Kastrup

Abstract: In the first half of the 20th century the prevailing thought was that traumatic life events per se did not leave lasting consequences for mental health but were a result of a premorbid vulnerability. Following the Second World War studies of concentration survivors and war sailors revealed that exposure to different forms of extreme stress may induce fairly comparable mental problems among previously well individuals.
PTSD has been a nosological entity since DSM-III (1980) attempting to unite different stress responses. Subsequently, revisions of DSM have modified diagnostic criteria and ICD-10 has introduced two diagnostic categories (F 43.1 and F 62.0) covering consequences of traumatic stress.
The tendency to inclusiveness of a biomedical paradigm has been criticized from several sources claiming that this is a Western trend that does not sufficiently take into consideration the socio-political context. The paper will discuss the advantages and shortcomings of current diagnostic categories vis-à-vis a reflection of the universe of traumatized refugees.

Biografie: 2001-today Head C entre Transcultural Psychiatry, Psychiatric. Center Copenhagen, Copenhagen University Hospital, Denmark
Advisory Positions: 1987-2009 Member Expert Advisory Panel on Mental Health, WHO; 1993-today Expert advisor, European Council Committee for the Prevention of Torture, Inhuman or Degrading Treatment and Punishment.
Activities related to European Psychiatric Association: 1992-today Member Board of Association of European Psychiatrists; 2003-today Secretary General, Association of European Psychiatrists.
Activities related to World Psychiatric Association: 1996-2002 Member Executive Committee; 2002-2008 Zonal Representative Northern Europe, WPA.
Activities related to Danish Psychiatric Association: 2005-today Member Board Dan Psych Ass
Activities related to Mental Health Europe: 2006-2009 Member Board Mental Health Europe.
Author/co-author of more than 100 peer-review articles, 15 books, more than 60 book-chapters. More than 250 international abstracts.

 

 

 

 


 

Johannes Kruse – “Trauma und körperliche Erkrankungen

Johannes KruseAbstract: Bis in die 80er Jahre wurde von der medizinischen und psychologischen Wissenschaft verleugnet, dass extremes Gewalterleben und sexuelle Missbrauchserfahrungen in der Kindheit und Erwachsenenleben zu komplexen psychischen Störungen führen können. Nachdem die psychischen Folgen extremer Traumatisierungen zunehmend anerkannt werden, zeichnet sich nun deutlicher ab, dass auch die Entwicklung von chronischen körperlichen Erkrankungen durch traumatische Erfahrungen begünstigt wird.

Epidemiologische Studien gehen heute davon aus, dass 5-10 % der Kinder in der Bundesrepublik sexuelle Missbrauchserfahrung machen, mehr als 10 % erleben heftige Gewalt. Diese Erfahrungen prägen das psychische und interpersonelle Erleben der Betroffenen. Als Erwachsene weisen mehr als 50 % der Betroffenen die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung auf. Diese biographischen Erfahrungen brennen sich aber auch in die körperlichen Reaktionsmuster ein. Menschen, die eine Mißbrauchserfahrung durchlebten, weisen eine erhöhte Stressreagibilität auf. Sie reagieren auf Belastung mit intensiveren und länger anhaltenden Ausschüttungen der Stresshormone und zeigen Zeichen einer chronischen subklinischen Entzündung.

In den letzten 2 Jahren mehren sich Studien, die nahelegen, dass Menschen mit Mißbrauchserfahrung ein erhöhtes Risiko haben, einen Diabetes mellitus sowie eine koronare Herzerkrankung zu entwickeln. Zu erklären ist dies auf zweierlei Wegen:

(1) Traumatisierte zeigen einen Risikolebensstil. So rauchen Opfer von Gewalt häufiger und stehen so in der größeren Gefahr, eine koronare Herzerkrankung zu entwickeln. Das Rauchen spielt für die Betroffenen eine große Rolle in der Bewältigung unangenehmer Affektzustände, in die diese Patienten immer wieder geraten, wenn sie von entsprechenden Erinnerungen und Gefühlen überschüttet werden. Es dient quasi der Selbstberuhigung. Raucherentwöhnungsprogramme sind daher bei diesen Patienten nicht so erfolgreich.

(2) Die posttraumatische Symptomatik ist verbunden mit der Erhöhung von Blutwerten, die eine kontinuierliche chronische subklinische Entzündung anzeigen sowie mit einer vegetativen Dysbalance und einer modifizierten Stressachsenaktivität. Auch diese stellen Risikofaktoren für die Insulinresistenz, den Typ 2-Diabetes und die koronare Herzerkrankung dar. Die VWStiftung fördert zurzeit im Projekt „Die Wiederkehr der Folter“ eine systematische Analyse dieser Zusammenhänge, die im Vortrag beleuchtet werden.

 

 

 


 

Peter Liebermann – “Behandlung akuter Traumatisierung”

Peter Liebermann Abstract: Die Vielzahl der Großschadensereignisse in den letzten Jahren wie Terrorangriffe, Naturkatastrophen oder Ereignisse wie der Loveparade haben den Fokus zunehmend auf die Frühreaktionen nach potentiell traumatische Ereignisse gerichtet. Diese klingen überwiegend rasch ab, können aber eben auch in chronische Prozesse mit unterschiedlichen Störungsbildern übergehen. Dafür ist es notwendig, Frühintervention als Einzel- und als Gruppenmaßnahme zu entwickeln, die die Erholungsfähigkeit fördert.

Biografie: Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, EMDR-Trainer in eigener Praxis in Leverkusen tätig
Vorstandsmitglied der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT). Und von EMDR Europe. Mitglied der Leitlinienkommission „Posttraumatische Belastungsstörung“

 

 

 

 


 

 

Andreas Maercker – “Erschüttertes Gedächtnis oder erschütterte Weltbilder: Psychologische Erklärungsmodelle der Traumafolgestörungen”

Andreas Maercker Abstract: Die Frage, warum einige Überlebende eine therapiebedürftige Traumafolgestörung ausbilden und andere nicht, steht weiterhin im Mittelpunkt intensiver Forschungen. Dabei lässt sich zugespitzt fragen, ob es einen ganz zentralen Veränderungsprozess gibt, der vor dem Hintergrund des Zusammenspiels von Traumadosis, Biografie, genetischen, biologischen, Persönlichkeits-, sozialen und kulturellen Faktoren für das Auftreten einer Traumafolgestörung verantwortlich gemacht werden kann. Die beiden prominentesten Erklärungsmodelle werden diskutiert:
Modelle des traumatisch veränderten Gedächtnisses und Modelle, in denen Selbst-,Fremd- und Weltbilder durch das Trauma erschüttert wurden. Es werden Forschungsergebnisse dargestellt und die verschiedenen Therapierichtungen in Bezug auf diese Modelle eingeordnet.

 

 

 

 

 


 

Elke Mühlleitner – “Die Wahrnehmung der Folter und ihrer Folgeerkrankungen. Eine medizinhistorische Untersuchung”

Abstract: Der Vortrag beschäftigt sich mit der Wahrnehmung und Darstellung von Extremtraumatisierung, insbesondere der Folter und ihrer Folgeerkrankungen in der deutschsprachigen Fachliteratur seit 1945. Er stellt die Ergebnisse einer medizinhistorischen Untersuchung im Rahmen des Forschungsprojekts „Die Wiederkehr der Folter? Interdisziplinäre Studie über eine extreme Form der Gewalt, ihre mediale Darstellung und ihre Ächtung“ vor. Folter bedeutet ein extremes Psychotrauma, das in der Geschichte der Medizin und Psychologie unterschiedlich diskutiert worden ist. Heute wird Folter zumeist im Rahmen der Posttraumatischen Belastungsstörung aber auch in den Krankheitsbildern Anpassungsstörung oder lang anhaltende Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung beschrieben. Und auch wenn nahezu ein Konsens über die lang anhaltenden schwerwiegenden Folgen eines durch Menschenhand verursachten Traumas („man made desaster“) zu finden ist, so war dies keineswegs immer so. Denn die Medizin diskutierte lange, ob reale Traumata überhaupt lang anhaltende psychische Beeinträchtigungen nach sich ziehen können. Die wissenschaftlichen Grundannahmen hatten wiederum nicht nur Konsequenzen für die Diagnostik und Therapie der extrem Traumatisierten, sondern insbesondere auch für die Begutachtung in Asylanträgen und Entschädigungsprozessen. Heute, 30 Jahre nach der offiziellen Aufnahme der Diagnose in die internationalen Klassifizierungssysteme, erweist sich die PTBS-Diagnose häufig als unzureichend, und es stellte sich immer wieder die Frage nach der spezifischen Krankheitsentität als Folge der Folter. Inwieweit sich die im Rahmen der Psychotraumatologie international geführten Diskussionen auch in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft nachvollziehen lassen ist unter anderem eine der Fragen, die mit Quellenmaterial aus mehr als fünfzig Jahren beantwortet werden soll.

Biografie: Mag. Dr. Elke Mühlleitner, Psychologin und Sozialwissenschaftlerin, Studium der Psychologie in Wien und Klagenfurt, Psychoanalytic Studies Program an der New School for Social Research, NY; derzeit Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin; Forschungen, Publikationen und Lehre in der Geschichte und Theorie der Psychotherapie und Psychoanalyse. Wissenschaftliche Mitarbeiterin des von der VW-Stiftung finanzierten interdisziplinären Forschungsprojekts „Die Wiederkehr der Folter? Interdisziplinäre Studie über eine extreme Form der Gewalt, ihre mediale Darstellung und ihre Ächtung“ an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Justus-Liebig-Universität Giessen.

Letzte Buchveröffentlichungen: Ich – Fenichel. Das Leben eines Psychoanalytikers im 20. Jahrhundert (Zsolnay 2008), (mit Claus Leggewie): Die akademische Hintertreppe (Campus 2007), (mit Ulrike May, Hg): Edith Jacobson. Sie selbst und die Welt ihrer Objekte (Psychosozial 2005).

 

 

 

 


 

Ellert R.S. Nijenhuis – “Dissoziation der Persönlichkeit bei Trauma: Der Stand der psychobiologischen Forschung”

Ellert R.S. Nijenhuis Abstract: Personality constitutes a dynamic biopsychosocial system. This system is intrinsically related to a material and social environment, and also involves intrinsic relationships between brain and body. Integration of personality as a system is an ongoing developmental task that can be compromised by adverse or potentially traumatising life events. These events involve aversive acts of omission (e.g., emotional neglect, lack of paternal affect regulation) and commission (e.g., emotional, physical and sexual abuse). Particular genetic features also seem to play a role as vulnerability factors. Dissociation of personality is a core feature of trauma, and involves the existence of two or more different types of dissociative subsystems, more generally described as dissociative parts of the personality. This lecture presents a review of major biopsychosocial research findings (EEG, PET, structural and functional MRI) regarding dissociation of personality that has evolved in a context of early childhood traumatisation. The findings are in agreement with the theory of trauma-related dissociation of personality, and they falsify the sociocognitive theory of complex dissociative disorders. Complex dissociative disorders are thus not caused by fantasy, suggestion, and role-playing.

Biografie: Ellert R.S. Nijenhuis, Ph.D., is a psychologist, psychotherapist, and researcher. He received his Ph.D. with the highest honors for the book Somatoform dissociation: Phenomena, measurement, and theoretical issues (als0 available as Somatoforme Dissoziation, Junfermann, 2006) In 1998 the International Society for the Study of Trauma and Dissociation (ISSTD) granted him the Morton Prince Award for Scientific Excellence; in 2000 the Pierre Janet Writing Award; in 2002 the status of Fellow, and in 2005 the David Caul Memorial Award. He works at the Top Referent Trauma Center of Mental Health Care Drenthe, Assen, The Netherlands. His research addresses the psychology and psychobiology of chronic traumatization and dissociation. He has written many clinical and scientific articles, book chapters, and some books, he is a reviewer of several professional journals, and he provides presentations and workshops at many international conferences. In 2004 Queen Beatrix from the Netherlands appointed him Knight in the Order of the Dutch Lion for his outstanding contributions to the study and treatment of chronically traumatized individuals. With Onno van der Hart and Kathy Steele, he wrote The haunted self: Structural dissociation and the treatment of chronic traumatisation (also available as Das verfolgte Selbst, Junfermann, 2008). The authors were awarded ISSTD’s Media Award for this book.

 

 

 

 


Eva Peters -  “Trauma und Psychoneuroendokrinologie/-immunologie (PNI)”

Eva Peters Abstract: Psychosomatische Beschwerden finden sich gehäuft bei Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung. Gleichzeitig lehrt uns die aktuelle psychoneuroendokrinologische und psychoneuroimmunologische Forschung, dass das Erleben eines traumatisierenden Ereignisses, aber auch dessen Nachwirkungen, eine fehlgeleitete Stressreaktion generieren kann. Damit ist die Möglichkeit eines potenten Einflusses von Trauma nicht nur auf unsere Psyche und Nervensystem sondern auch auf die Stressachsen selbst und nachfolgend auf das Immunsystem gegeben. Dennoch fehlen Untersuchungen, die diesen Zusammenhang belegen und Pathomechanismen aufklären weitgehend. Rückschlüsse aus benachbarten wissenschaftlichen Feldern legen nahe, dass unter traumatisierender Belastung eine hyporeaktive Hypothalamus Hypophysen Nebennierenrinden Achse (HPA), eine hyperreaktive sympathische Achse (SA) und nicht zuletzt eine hyperreaktive Neurotrophin / Neuropeptid (NNA) Achse vorliegt. Diese neuroendokrine und neuroimmune Konstellation kann eine erhebliche Rolle bei der Entwicklung und dem Unterhalt chronischer Entzündungserkrankungen spielen. Diese Zusammenhänge und ihre Bedeutung für den traumatisierten Patienten sollen hier vorgestellt und eingehend diskutiert werden.

Biografie: Priv. Doz. Dr. med. Eva Peters ist Psychoneuroimmunologin, Psychoonkologin und Fachärztin für Dermatologie. Sie leitet seit 2004 eine Psychoneuroimmunologische Arbeitsgruppe an der Medizininischen Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik der Charité in Berlin und seit 2010 das Psychoneuroimmunologie Labor an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Gießen. Sie ist aktuell die Vizesprecherin des Arbeitskreises Neuroendokrinoimmunologie (AKNEI) der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGFI) und Mitglied des Steeringkomitees des GEBIN (German Brain Immune Network). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen bei der Ermittlung des Zusammenhanges zwischen psychischer Belastung und Neuroimmunologie insbesondere bei chronischen inflammatorischen Erkrankungen und Krebs.

 

 

 

 


 

Onno van der Hart – ”Trauma-related Dissociation: Conceptual Clarity Lost and Found”

Onno van der Hart Abstract: One of the critical issues involved in the study and treatment of complex trauma-related disorders is the role of dissociation. Dissociative symptoms are viewed by some as marginal phenomena in trauma, associated with avoidance of traumatic memories. However, explanations of the dissociative nature of these avoidant tendencies is often vague or contradictory. Others argue that dissociation is a core feature of trauma, in harmony with the common understanding of traumatic experiences as “breaking points.” This view of dissociation entails a division of an individual’s personality, i.e., of the dynamic, biopsychosocial system as a whole that determines his or her characteristic mental and behavioral actions, into two or more dissociative parts of the personality. This presentation will offer a careful critique of the “marginal” view of dissociation as avoidance, and will clarify the view on dissociation as a core feature of trauma and highlight implications for diagnosis and treatment.

Biografie: Prof. Dr. Onno van der Hart is Honorary Professor of Psychopathology of Chronic Traumatization at the Department of Clinical and Health Psychology, Utrecht University, the Netherlands, and a psychologist/psychotherapist at the Sinai Center for Mental Health, Amsterdam. He is an international consultant and educator in the diagnostics and treatment of complex trauma-related disorders. He is a past president of the International Society for Traumatic Stress Studies. With Ellert R. S. Nijenhuis, PhD, and Kathy Steele, MN, CS, he co-authored The Haunted Self: Structural Dissociation and the Treatment of Chronic Traumatization (W.W. Norton & Co, 2006), which has been translated in several languages (including Dutch, Finnish, French, German, and Spanish).

 

 

 

 


 

Luise Reddemann – ”Trauma und Würde”

Abstract: Würde ist kein gängiger Begriff in der Psychotherapie. Da jedoch jegliche Form von interpersoneller Gewalt gegen die Menschenwürde verstößt, haben wir es in der Behandlung von Menschen mit Traumafolgestörungen mit diesem Thema zu tun. Im Vortrag soll  die These vorgestellt werden, dass wir die Würdethematik als Metatheorie therapeutischen Handelns verwenden sollten und in welcher Form das geschehen könnte.

Biografie: Dr. med. Fachärztin für psychosomatische Medizin, Nervenärztin, Psychoanalytikerin. Honorarprof. für Psychotraumatologie an der Universität Klagenfurt. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Psychotraumatologie und Resilienz.

 

 

 


 

Martin Sack – Ressourcenorientierte Traumatherapie

Martin Sack Abstract: Traumatisierungen, besonders in vulnerablen Entwicklungsphasen während der Kindheit, führen nicht nur häufig zu einem komplexen Bild an posttraumatischen Beschwerden, sondern auch zu einem Defizit an persönlichen Ressourcen. Dabei lassen sich Ressourcen als Veränderungspotentiale definieren, die uns helfen Krisen und Belastungssituation zu meistern. Ressourcenaktivierung ist somit ein grundlegendes Therapieelement in der Traumatherapie. Entwicklungen aus den letzten Jahren zeigen, dass ressourcenorientierte Therapiestrategien auch während konfrontativer Behandlungen eingesetzt werden können. Dadurch wird die Traumatherapie für Patienten und Behandler besser steuerbar und weniger belastend.

Biografie: PD Dr. med. Martin Sack ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und leitender Oberarzt an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums rechts der Isar der TU-München. Er ist seit vielen Jahren in der Behandlung von Patienten mit Traumafolgestörungen spezialisiert und als Supervisor und Ausbilder tätig. Gegenwärtig ist er Vorsitzender der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie.
Seine Forschungsschwerpunkte sind die Entwicklung und Evaluation von schonenden Traumatherapieverfahren, neurobiologische Forschung zum Zusammenhang von Stressregulation, Körperbeschwerden und psychischen Traumatisierungen, sowie Forschung zu Wirkfaktoren traumatherapeutischer Behandlungstechniken.

 

 

 


 

Markus Stingl – “EMDR als Therapiemethode: Konzepte und Wirkmechanismen”

Abstract: Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) gilt als effektive Behandlungsmethode in der Therapie Posttraumatischer Belastungsstörungen. Während die Wirksamkeit des Verfahrens durch empirische Studien wissenschaftlich belegt ist und die Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen angedacht ist, sind die zugrunde liegenden Wirkmechanismen bislang nicht vollständig geklärt. Im Vortrag von Dr. Stingl sollen hierzu Fragen der Indikation und Anwendung sowie aktuelle EMDR-Konzepte diskutiert werden und eigene Forschungsarbeiten zur differentiellen Wirksamkeit der EMDR-Methode vorgestellt werden.

Biografie: Dr. Markus Stingl ist Psychologischer Psychotherapeut (Verhaltenstherapie) und seit 2003 an der Klink für Psychosomatik und Psychotherapie des UKGM tätig. Neben der stationären Behandlung mit den Schwerpunkten Psychotraumatologie, Krisenintervention, Persönlichkeitsstörungen leitet er seit 2010 die Trauma-Ambulanz der Klinik. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der Emotionsregulationsstörungen und Traumafolgesstörungen sowie in der Psychotherapieforschung. Er ist als Projektleiter in Gießen verantwortlich für DFG-geförderten Multicenterstudie „Wirkfaktoren der EMDR-Behandlung“, welche unter Leitung von Herrn Prof. J. Kruse (JLU Gießen) und Herrn PD M. Sack (TU München) die zugrunde liegenden Mechanismen von EMDR untersucht.

 

 

 

 


 

 

Anette Streeck-Fischer “Trauma und Entwicklung – Folgen bei Kindern und Jugendlichen”

Anette Streeck-Fischer Abstract: Eine überwältigende Datenlage verdeutlicht, dass Traumatisierungen in der Entwicklung zu psychiatrischen Störungen führen und für gravierende Verhaltensprobleme bei Kindern und Jugendlichen verantwortlich sind. Traumatische Belastungen in der Entwicklung werden im Rahmen der existierenden diagnostischen Klassifikationssysteme als Traumafolgen nicht erkannt – mit sehr ungünstigen Folgen für die Betroffenen. Sie können nicht nur zu multiplen Symptomen führen, sie führen auch zu Beeinträchtigungen in der Bindung, bis hin zu einer Bindungstraumatisierung, die unter Umständen mit fortgesetzten Wiederherstellungen traumatischer Situationen verbunden sind. Anders als bei Traumatisierungen Erwachsener wird die Traumatisierung in die Persönlichkeitsentwicklung eingewoben. Eine bedeutsame Folge früher Traumatisierungen ist der Verlust von Kohärenz mit Verlust des Einheitserlebens. Hinzu kommen kognitive und sensomotorische Beeinträchtigungen, die den Lebensweg dieser Kinder und Jugendlichen ungünstig beeinflussen. Bisher existierende diagnostische Systeme werden mit Blick auf dem im DSM-V eingereichten Vorschlag der  Entwicklungstraumastörung (Development trauma disorder (DTD)) kritisch diskutiert. Anhand verschiedener Theorien soll das Verständnis dieser Entwicklungen vermittelt werden. Eigene Untersuchungen aus einer Therapiestudie werden dargestellt und diskutiert.

Biografie: Streeck-Fischer, Annette, PD Dr. med, Chefärztin der Abteilung ‚Psychiatrie und Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen‘ Akademisches Lehrkrankenhaus Tiefenbrunn bei Göttingen, Kinder- und Jugendpsychiaterin, Psychoanalytikerin DGPT, 2006 Habilitation an der medizinischen Fakultät der Universität Hamburg-Eppendorf, seit 2007 President elect der ISAPP, 2009 Hochschullehrerin der International Psychoanalytic University Berlin

 

 

 

 


 

Vamik D. Volkan – ”The Intertwining of the Internal and External Wars”

Vamik D. VolkanAbstract: This presentation examines the influence of traumatizing world events such as wars, war-like situations, and drastic political changes on the psyche of the individual. An individual’s reactions to current or chronic traumatizing world events may severely interfere with the routine analysis of mental conflicts. This presentation also investigates the role historical processes play in the lives of ancestors in shaping individuals’ character formations and symptoms. I suggest that the psychotherapist should take into consideration the various types of transgenerational transmissions. When, within the therapeutic setting, individuals experience that some of their character traits or symptoms originally belong to their ancestors or were initiated by past historical events, they have a better chance of freeing themselves from the troubling influences of such character traits or symptoms.

Biografie: Vamık D. Volkan, M.D. is an Emeritus Professor of Psychiatry at the University of Virginia, Charlottesville, Virginia and an Emeritus Training and Supervising Analyst at the Washington Psychoanalytic Institute, Washington, DC. He holds Honorary Doctorate degrees from Kuopio University, Finland and from Ankara University, Turkey. He was a member of the International Negotiation Network under the directorship of the former President Jimmy Carter and an Inaugural Yitzhak Rabin Fellow, Rabin Center for Israeli Studies, Tel Aviv, Israel. He is the author or co-author of over 40 books and the editor or co-editor of 10 more. He was nominated for the Nobel Peace Prize for four times supported by letters from over 25 countries. He was the president of the International Society of Political Psychology, the Virginia Psychoanalytic Society and the American College of Psychoanalysts.

 

 

 


 

Wolfgang Wöller – ”Trauma und Persönlichkeitsstörungen”

wöller Abstract:
Traumatisierte Patienten mit Persönlichkeitsstörungen stellen Behandler wegen ihrer dysfunktionalen und selbstschädigenden Verhaltensweisen vor große Herausforderungen. Die neurobiologische Forschung der letzten Jahre hat überzeugend gezeigt, dass zentrale Merkmale von Persönlichkeitsstörungen – Störungen der Emotionsregulierung, Defizite der Fähigkeit zur Mentalisierung sowie Störungen der Ich-Integration – die Folge früher defizitärer Bindungs- und Beziehungserfahrungen. Ein Verständnis von Persönlichkeitsstörungen als Folge von Bindungs- und Beziehungstraumatisierungen ist die Grundlage einer ressourcenorientierten Behandlungskonzeption, die sowohl Elemente traumatherapeutischer Ansätze wie auch Aspekte psychoanalytischer Beziehungsdiagnostik berücksichtigt. Literatur: W. Wöller: Trauma und Persönlichkeitsstörungen. Stuttgart: Schattauer, 2006.

Biografie: Priv.-Doz. Dr. med., Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie für Neurologie und Psychiatrie. Psychoanalytiker (DGPT, DPG) und Lehranalytiker. EMDR-Supervisor. Dozent an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Ärztlicher Direktor der Rhein-Klinik Bad Honnef, Krankenhaus für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.  Veröffentlichungen zu Psychosomatik, Psychotraumatologie, Persönlichkeitsstörungen und tiefenpsychologisch fundierte Behandlungstechnik. Mitwirkung bei der AWMF-Leitlinie “Posttraumatische Belastungsstörung”.


 

 

 

 

 


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