4.2 Diagnostik der Azoospermie

Im Weiteren wird die Diagnostik der Azoospermie stufenweise dargestellt.

4.2.1 Endokrinologische Abklärung der Azoospermie

Grob orientierend können testikuläre und posttestikuläre endokrinologische Profile bei Azoospermie unterschieden werden. Insbesondere FSH-Erhöhungen sprechen gegen eine reine Verschlußazoospermie. Die nachfolgende Tabelle gibt vereinfachend ein Anleitungsschema zur endokrinologischen Abklärung der Azoospermie wieder. Es ist noch einmal darauf hinzuweisen, daß es sich nur um eine grob vereinfachende Einteilung handelt. Umfassende Endokrinologische Zusammenhänge sind im Kapitel "Endokrinologie" oder speziellen Lehrbüchern nachzulesen.

Tabelle 4: Endokrinologische Abklärung der Azoospermie
Typ Typ 1
FSH + LH erhöht
Testoteron erniedrigt
Typ 2
FSH erhöht
LH =
Testosteron =
Typ 3
FSH + LH erniedrigt
Testosteron erniedrigt
Typ 4
FSH + LH -
Testosteron =
Ort der Störung Leydig-Zelle
Tubuli seminiferi
Tubuli seminiferi Hypothalamus-
Hypophyse
Ductus
ejaculatorius
Vas deferens
Nebenhoden
Beispiel Präpuberales
Kastrations-Syndrom,
Klinefelter-Syndrom
Sertoli-Cell-Only Syndrom Kallmann-Syndrom
Hypophysen-TU
Kongenitale Aplasie,
Z.n. Vasektomie,
Post-Epididymitis
Ursache testikulär hypophysär Verschluß



Erklärung zu den Beispielen:

Klinefelter-SyndromKlinefelter-Syndrom: Es handelt sich um eine besondere Form des männlichen primären hypergonadotopen Hypogonadismus mit gonosomaler Aneuploidie (meist Trisomie 47, XXY, seltener 48, XXXY, 49 XXXXY). Bei Männern mit sehr kleinen Hoden ist an ein Klinefelter-Syndrom zu denken und das Geschlechtschromatin zu untersuchen.

Sertoli-Cell-OnlySertoli-Cell-Only Syndrom: Bei diesem Syndrom liegt eine Germinalzellaplasie vor. Es handelt sich um einen normotropen Hypogonadismus des Mannes mit Sterilität infolge von Azoospermie bei normalem männlichen Habitus (XY). Kennzeichnend bei der Hodenbiopsie ist das Fehlen des Keimepithels und der Spermiogenese mit mäßiger Sklerosierung der Tubuli seminiferi.

Kallmann-Syndrom: Dies ist ein olfactogenitales Syndrom, d.h. es handelt sich um eine dysraphische olfacto-ethmoidale-hypothalamische Fehlbildung mit Symptomen des hypogonadotropen Hypogonadismus infolge Gonadotropinmangels. Ferner kommt es zur Anosmie durch Aplasie des Bulbus olfactorius, Schädeldysplasie, Epilepsie und Oligophrenie.