3.3 Endokrine Therapie

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der endokrinen Therapie:

1. Substitutionstherapie

2. Stimulationstherapie

3. Rebound-Therapie

Die angeborenen und erworbenen Testosteronmangelzustände, die entweder einer Substitutions- bzw. Stimulationstherapie bedürfen, sind in Tabelle 3 zusammengefaßt. Die erworbenen Testosteronmangelzustände sind mit Ausnahme des Prolactinoms, einer Testosteronsubstitutionstherapie zuzuführen, während von des angeborenen Erkrankungen nur das Klinefelter-Syndrom, wenn notwendig, und die Anorchie (bei beiden Erkrankungen handelt es sich um einen sogenannten hypogonadotropen Hypogonadismus) a priori mit Testosteron substituiert werden.

Tabelle 3: Angeborene und erworbene Testosteronmangelzustände
Angeborene Testosteronmangelzustände

Klinefelter-Syndrom (47,XXY, 46, XY/47, XXY): Kleine Hoden, Azoospermie, Großwuchs, Gynäkomastie, FSH und LH erhöht, Testosteron normal oder erniedrigt)
Idiopathischer hypogonadotroper Hypogonadismus (IHH)
Kallmann-Syndrom (= IHH mit An-, Hyposmie)
Pubertas tarda (= Hypogonadismus mit verzögertem Knochenalter)
Anorchie

Erworbene Testosteronmangelzustände

Hypophysektomie
Kastration
Zustand nach beidseitiger Hodentorsion
Klimakterium virile
Prolaktinom
Chron. Niereninsuffizienz
Lebercirrhose
Medikamente: Cimetidin, Spirolakton, Gestagene, Drogen, Narkotika

Testosteronpräparate können auf verschiedenen Wegen appliziert werden: oral, transnasal, subkutan und intramuskulär. Einige Dosierungsvorschläge für die einzelnen Routen sind in der folgenden Tabelle dargestellt:

Tabelle 4: Möglichkeiten zur Testosterontherapie

1) Oral: Testosteronundeanoat 80 - 120 mg / Tag

2) Transnasal: 2,5 - 5,0 mg / 4 h

3) Subkutan

4) Intramuskulär: Testosteronönanthat 250 mg / 3-4 Wochen

5) Dermal (in Zukunft als Pflaster)

Zur Testosterontherapie des Klimakterium virile sei bemerkt, daß erst nach mehrmaliger Bestimmung der Basishormone und eingehender Untersuchung der Anhangsdrüsen des männlichen Genitalapparates, mit der Substitutionstherapie begonnen werden sollte und zwar nur dann, wenn wirklich mehrmals erniedrigte, basale Testosteronwerte gemessen worden waren. Zudem ist die Dosierung niedrig zu halten,etwa die Hälfte oder weniger von der einer Vollsubstitution, da man weiß, daß zur Aufrechterhaltung eines normalen, männlichen Sexualverhaltens nur sehr geringe Mengen an Testosteron benötigt werden. Durch eine hohe Dosierung von androgenen Steroiden über einen längeren Zeitraum kann eine Funktionseinbuße der Leydigzellen hervorgerufen werden. War die Androgenmedikation wirklich indiziert, dann kann bereits nach 2-3 Wochen nach Therapiebeginn ein positiver Effekt erwartet werden.

Der idiopathische, hypogonadotrope Hypogonadismus (IHH) mit seiner Sonderform, dem Kallmann-Syndrom, sowie der Pubertas tarda, werden primär einer Stimulationstherapie zugeführt und erst in weiterer Folge kann eine Testosteronsubstitution angeschlossen werden. Die Therapiemöglichkeiten sind in Tabelle 5 zusammengefaßt.

Tabelle 5: Therapiemöglichkeiten bei IHH, Pubertas tarda und Kallmann-Syndrom
KrankheitsbildZIELE
Entwicklung der sekundären GeschlechtsmerkmaleInduktion der Spermiogenese
IHH A) HCG: 2-3 x 3000 I.E./Woche (12 Wochen) 3 x 75 I.E. HMG/Woche Testosteron (Erhaltungstherapie)
B) GnRH (pulsatil): 4-16 µg/Puls/120 min.
Dauer: 6-12 Monate (z.B. Zyklomat-P)
A/B - gleichwirksam
B - weniger Gynäkomastie
B - gute Compliance notwendig
[Frick AKA (1995),
Schopohl et al, Fertil Steril 56:1143 (1991)]
Kallmann-
Syndrom
Dosierung wie bei IHH
Dauer: 12 Monate
Dosierung wie bei IHH
Dauer: 1-2 Jahre
Pubertas tarda 1) HCG: 2-2 x 3000 I.E./Woche
   Dauer: 3-6 Monate
2) HCG: 2-3 x 3000 I.E./Woche für 6 Wochen ("Priming des Hodens") anschließend LHRH-Behandlung (pulsatil, Kurz- und/oder Langzeit)
Spermiogenese sollte von allein einsetzen

Erwähnt sei noch die Therapie des Prolaktinoms:

Wenn mehrmalig erhöhte Plasmaprolaktinwerte vorliegen mit einer entsprechenden Klinik, dann besteht der dringende Verdacht auf das Vorliegen eines Prolaktinoms. Zur Sicherung der Diagnose bedarf es noch weiterer Untersuchungen, wie z.B. Sellaröntgen und wenn möglich einer Computertomographie. Wenn nach Sicherung der Diagnose der Patient nicht operiert wird, so muß eine entsprechende Therapie mit Bromocriptin begonnen werden. Ob auch Testosteron substituiert werden muß, hängt vom Ansprechen auf die Bromocriptintherapie ab.